Erlebnis · Paros

Museum für Bildhauerei Nikos Perantinos

Auf dem Hügel von Marpissa bewahrt ein neoklassizistisches Museum das Werk des Bildhauers Nikos Perantinos und verbindet Paros mit seiner großen Marmortradition.

Paros

Man steigt hinauf nach Marpissa, während sich das Licht langsam neigt. Die weißen Häuser klettern den Hang hinauf, die Windmühlen zerschneiden den Himmel in zwei Hälften, und die Luft duftet nach Thymian und Meersalz. Irgendwo hier, auf der Ostseite der Insel, hört Paros auf, nur Strand zu sein, und wird zur Werkstatt. Denn auf diesem Hügel, in einem restaurierten neoklassizistischen Gebäude, wird die Geschichte eines Mannes bewahrt, der den Stein das Atmen lehrte.

Der Ort, der Bildhauer hervorbringt

Es ist kein Zufall, dass Paros Bildhauer hervorgebracht hat. Die Insel birgt in ihrem Inneren den legendären parischen Marmor, den Lychnites — jenes durchscheinende, milchige Material, das die Alten im Schein der Öllampe in den Stollen bearbeiteten. Aus ihm wurden einige der bedeutendsten Skulpturen der Antike gemeißelt.

Wenn man durch die Dörfer von Paros wandert, versteht man, dass die Beziehung zum Stein nie abgerissen ist. Sie wurde von Generation zu Generation, von Hand zu Hand weitergegeben. Und irgendwo dort, in Marpissa, schlug die Familie Wurzeln, die der Insel einen ihrer beliebtesten Künstler schenken sollte.

Ein Mann, zwei Inseln

Nikos Perantinos trug zwei Kykladen in sich. Sein Vater, Leonardos Perantinos, stammte aus Marpissa auf Paros; seine Mutter, Angeliki Metaxa, aus Syros. Zwei Inseln, zwei Temperamente, die sich in einem Menschen vereinten, der dazu bestimmt war, mit seinen Händen zu arbeiten.

Er studierte an der Athener Kunstakademie, im Atelier von Thomas Thomopoulos, und setzte seine Ausbildung in Paris fort — dort, wo das 20. Jahrhundert die Kunst neu ordnete. Doch Perantinos ließ sich von den Moden nicht mitreißen. Er blieb etwas Tieferem treu: der Einfachheit und der klassischen Form. Er galt, wie man sagt, als Meister der klaren Linie, und sein Werk wurde mit zahlreichen Auszeichnungen und Preisen gewürdigt.

Der Hüter der antiken Schönheit

1941 wird Perantinos zum ständigen Bildhauer des Archäologischen Museums ernannt. Man stelle sich vor, was das bedeutet: vor zerbrochenen, verstümmelten antiken Skulpturen zu stehen und sie wiederherzustellen, mit Handwerkern zu sprechen, die vor zweieinhalbtausend Jahren gestorben sind, ihre Geste zu erahnen.

Diese Erfahrung prägte ihn. Der Mann, der bedeutende Restaurierungen antiker Skulpturen durchführte, lernte das Maß, die Schlichtheit, die stille Kraft der klassischen Form. Und als er zu seinem eigenen Material zurückkehrte, trug er sie fortan wie ein Vermächtnis in sich.

Die Rückkehr zur Wurzel

1964, aus Paris zurückgekehrt, vollzieht Perantinos eine Geste, die alles über seinen Charakter aussagt: Er gründet eine Marmorbildhauerwerkstatt in Agia Anna auf Paros. Er wollte nicht bloß selbst schaffen; er wollte der Tradition der Bildhauerei auf seiner Insel eine Fortsetzung geben.

Es war ein Akt der Großzügigkeit. Dieser Ort öffnete sich für Menschen jeden Alters, die die Bildhauerei lieben — damit die Flamme nicht erlischt, damit der Marmor in neue Hände übergeht. So blieb die Kunst auf Paros nie ein bloßes Museumsstück; sie blieb lebendig, voller Staub und Meißel.

Den Stein erobert man nicht mit Gewalt, sondern mit Geduld; man nimmt ihm, was überflüssig ist, bis die Form erscheint, die immer schon in ihm verborgen war.Die Philosophie der parischen Marmorbildhauerei

Ein Museum, das mit Liebe wuchs

Nikos Perantinos verstarb 1991. Fast unmittelbar darauf fand sein Werk eine Bleibe — zunächst in einem kleinen, bescheidenen Saal auf Paros. Ein winziger Raum für ein großes Lebenswerk.

In den folgenden Jahren bemühten sich die Vorstände des Museums mit Unterstützung der Gemeinde Paros und des Kulturministeriums, es seinem Schöpfer würdig zu machen. Und es gelang ihnen. Heute ist das Museum für Bildhauerei „Nikos Perantinos” in einem wunderschönen, restaurierten neoklassizistischen Gebäude untergebracht, mit fünf großen Sälen, die von Licht durchflutet werden — demselben Licht der Kykladen, das einst auf seine Meißel fiel.

Man steigt den Hügel von Marpissa hinauf, um Skulpturen zu sehen. Man geht mit dem Verständnis für ganz Paros: dass hinter den goldenen Sandstränden und den kosmopolitischen Häfen ein stilleres Herz schlägt — jenes, das den Stein in eine Seele zu verwandeln weiß. Lass es dich berühren.

Nützliche Informationen

  • Das Museum liegt auf dem Hügel von Marpissa, an der Ostseite von Paros, in einem restaurierten neoklassizistischen Gebäude mit fünf Sälen.
  • Verbinde den Besuch mit einem Spaziergang durch das malerische Dorf Marpissa und die Windmühlen sowie mit der nahegelegenen Marmorbildhauertradition von Agia Anna.
  • Trage bequeme Schuhe für den Aufstieg und wähle die Nachmittagsstunden für das sanfteste Licht.
  • Bestätige vor dem Besuch die Öffnungszeiten, da sie sich saisonal ändern.
  • Der östliche Teil von Paros lässt sich ideal mit den Bergdörfern (Lefkes, Prodromos) und den Stränden der Chrissi Akti verbinden.
Artikel Kategorien: Kykladen, Paros, Must-Do Erlebnisse auf Paros

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