Man erreicht Tzia über den Hafen von Korissia oder Livadi, und die Straße beginnt sofort, hinauf nach Ioulida zu führen, der Hauptstadt-Chora, die wie ein Amphitheater auf dem Hügel thront. Auf dem Weg kommt man an der alten Emaille-Fabrik vorbei, einem stillen Zeugen einer anderen Epoche, und etwas weiter oben, beim zweiten Kilometer, ändert die Landschaft abrupt ihre Farbe. Ein tiefes, feuchtes Grün, für eine kykladische Landschaft fast unerwartet, zieht einen hinab in das Tal von Mylopotamos.
Dort, zwischen Platanen und Steinhäusern, befindet sich das Museum für Ländliche Volkskunde & Kulturerbe von Kea — ein Ort, der nicht mit großen Worten spricht, sondern mit Gegenständen, die einst den Alltag der ganzen Insel ausmachten.
Das Wasser, das dem Ort seinen Namen gab
Mylopotamos verdankt seine Existenz der Quelle Flea, die seit der Antike den Fluss von Kea, den „Elixos“, reichlich mit Wasser versorgte. Dieses Wasser brachte Wassermühlen, Gärten, Obstgärten und eine Siedlung hervor, die sich entlang der Schlucht ausbreitet wie eine natürliche Fortsetzung der Landschaft.
Die Steinhäuser, Überreste alter zweistöckiger Herrenhäuser mit Ziegeldächern, stehen dort noch immer als Abdruck eines ländlichen Wohlstands, der auf Erde und Wasser gründete, nicht auf dem Meer.
Eine Sammlung, die sich an die Erde erinnert
Im Inneren des Museums fließt die Zeit anders. Dreschwerkzeuge, Weinpressen, Webstühle, Küchen- und Vorratsgeräte, Trachten, die bei Hochzeiten und Festen getragen wurden — alles zusammengetragen aus den Häusern der Insel, gespendet von Familien, die nicht wollten, dass die Erinnerung verloren geht.
Jeder Gegenstand hat eine doppelte Geschichte: die funktionale, wie er benutzt wurde, und die emotionale, wer ihn an jedem Morgen in den Händen hielt. Man spürt die Rauheit des Holzes, stellt sich den Geruch des Mostes in der Weinpresse vor, hört fast das Geräusch des Webstuhls.
Die Eichen, der Schatz, der nicht sichtbar war
Kea ist nicht zufällig die grünste Insel der Kykladen. Ihre bewaldeten Hänge mit Eichen — insbesondere die Eicheln der Steineiche, reich an Tannin — versorgten jahrzehntelang die Gerberei, das Handwerk der Lederverarbeitung, und verliehen der Insel eine wirtschaftliche Rolle, die heute nur wenige Besucher kennen.
Auch diese Seite erzählt das Museum: wie eine Insel ohne große Ebenen lernte, vom Wald zu leben, von den Bachläufen, von der Geduld einer bergigen und beharrlichen Landwirtschaft.
Die Erde von Kea hat nichts leicht geschenkt; was wir heute als Erinnerung bewahren, haben die Alten mit ihren eigenen Händen erkämpft.Alter Ausspruch der Bewohner von Ioulida
Die Rast vor Ioulida
Mylopotamos wirkt wie ein natürlicher Atemzug, bevor man Ioulida erreicht. Der Schatten der Platanen, das Rauschen des Wassers, das an manchen Stellen noch fließt, die steinernen Gassen, die die Häuser verbinden, bereiten einen auf ein Kea vor, das seine Geheimnisse nicht eilig preisgibt.
Der Besuch des Museums ist nicht nur ein Halt bei einer Sammlung von Gegenständen; es ist ein Moment des langsamen Verstehens, wie diese Insel lebte, bevor sie zum Reiseziel wurde, als sie in erster Linie ein Ort der Arbeit, der Erde und des Überlebens war.
Wer Mylopotamos verlässt, trägt mehr als nur ein Foto mit sich: das Gefühl, dass Tzia unter jeder Eiche, in jedem Bachlauf, der noch immer singt, Geschichten verbirgt.
Nützliche Informationen
- Mylopotamos liegt etwa beim zweiten Kilometer der Straße von Korissia nach Ioulida (Chora) auf Kea.
- Ein idealer Halt in Kombination mit einem Besuch von Ioulida und dem berühmten Löwen von Kea.
- Die Landschaft eignet sich für einen kurzen Spaziergang entlang des Tals, im Schatten der Platanen.
- Es empfiehlt sich, die Öffnungszeiten vor dem Besuch zu bestätigen, da sie saisonal abweichen können.
- Tragen Sie bequeme Schuhe, da der Boden rund um die Siedlung uneben und steinig ist.