Hinter den weißen Gassen, den Cocktails zum Sonnenuntergang und dem berühmten Nachtleben verbirgt sich ein Mykonos, das nur wenige Besucher kennenlernen: das Mykonos des Geschmacks. Ein hartes, windgepeitschtes Land, das seit Jahrhunderten gelernt hat, wenige, aber ausgezeichnete Güter zu erzeugen — Fleisch, Käse, Wein — und sie in Gerichte mit Charakter zu verwandeln. Wer die wahre Seele der Insel kennenlernen will, kommt an einem Umweg über den Tisch nicht vorbei.
Louza und Kopanisti: die Hauptdarsteller der Insel
Zwei Namen dominieren jeden kykladischen Tisch auf Mykonos. Die Louza ist eine gepökelte, geräucherte Schweinefleischwurst, aromatisiert mit Oregano und Gewürzen, die früher eine Methode war, das Fleisch über die Wintermonate haltbar zu machen. Der Kopanisti hingegen ist ein pikanter, weicher Käse, der reift und „geschlagen” wird, bis er seinen intensiven, scharfen Geschmack entwickelt. Zusammen auf einem Tonteller serviert, mit knusprigem Zwieback und Tomate, bilden sie das authentischste Vorspiel zu einem kykladischen Mahl.
Ano Mera, wo die Tradition standhält
Während Chora vor kosmopolitischer Energie sprüht, bewahrt Ano Mera den Rhythmus einer älteren Insel. Auf ihrem Dorfplatz, rund um das Kloster Panagia Tourliani, servieren traditionelle Restaurants hausgemachte Rezepte, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Hier ist das Essen kein Spektakel — es ist Erinnerung, Familiengeschichte, ein Geschmack, der sich trotz jahrzehntelanger touristischer Entwicklung nicht verändert hat.
Vom Land zum Meer
Mykonos ist nicht nur Fleisch und Käse. Rund um die Insel servieren kleine Fischtavernen an Küsten und kleinen Häfen den frischen Fisch des Tages, Oktopus, der zum Trocknen im Wind aufgehängt wird, Garnelen und Hummer mit Pasta — Gerichte, die daran erinnern, dass die Insel vor allem dem Meer gehört. Die Balance zwischen Berg und Meer ist es, die die kykladische Küche so reich an Gegensätzen macht.
Das Brot, der Wein und die Süßspeisen der Insel
Probiere den lokalen Gerstenzwieback, getunkt in Olivenöl, oder die „Amygdalota” — Mandelsüßigkeiten, die traditionell bei Hochzeiten und Festen gereicht wurden. Begleite sie mit einem Glas lokalem Wein, aus Weinbergen, die Wind und Sand trotzen und ihrem Bukett besondere, salzige Noten verleihen.
Auf Mykonos ist das luxuriöseste Erlebnis nicht immer jenes mit der Aussicht; es ist oft ein Teller Kopanisti auf einem Holztisch, unter einer Weinlaube.Alte kykladische Redensart
Lass dich also auch durch die Aromen von Mykonos führen. Hinter dem Glamour verbirgt die Insel eine gastronomische Identität, die tief in Land und Meer verwurzelt ist — eine Identität, die es wert ist, mit derselben Neugier entdeckt zu werden, mit der man ihre Strände und Sonnenuntergänge entdeckt.
Nützliche Informationen
- Ano Mera liegt etwa 8 km von Chora entfernt und ist einen eigenen Besuch wert, fernab vom Trubel der Strände.
- Louza und Kopanisti werden meist als Mezedes vor dem Hauptgericht serviert — probiere sie mit lokalem Zwieback.
- Die Fischtavernen in den kleineren Häfen der Insel bieten oft frischeren Fisch als die zentralen Restaurants von Chora.
- Die beste Zeit für eine kulinarische Erkundung ist Frühling und Herbst, wenn die Insel ruhiger ist.