Erlebnis · Milos

Volkskunde- und Historisches Museum von Milos

Ein venezianisch-bürgerliches Haus in Plaka auf Milos birgt die gesamte Erinnerung der Insel – von ihrem vulkanischen Gestein bis zur Aussteuer der Großmütter.

Milos

Es gibt Inseln, die ihre Geschichte durch ihre Landschaften erzählen. Milos tut dies auch durch ein Haus. Man steigt die Gassen von Plaka hinauf, die Burg blickt von oben herab, und dort, an einer Ecke mit atemberaubender Aussicht, öffnet sich eine Tür aus blau gestrichenem Holz. Dahinter erwartet einen nicht nur eine Sammlung von Gegenständen. Es erwartet einen eine ganze Gemeinschaft, die vor Jahrzehnten beschloss, ihre Erinnerung nicht verblassen zu lassen.

Ein Haus, das zum Versprechen wurde

1967 fasst die Ένωσις Μηλίων εν Αθήναις, ein Verein von Milos-Bewohnern, die fern ihrer Insel lebten, aber ihre Wurzeln lebendig hielten, einen folgenschweren Beschluss: die Gründung des Volkskunde- und Historischen Museums von Milos. Man kauft das Haus der Familie Filippou Oikonomou, erbaut an privilegierter Lage in Plaka, dessen Blick das Dorf und dahinter das Meer umfasst.

Die Seele des Unterfangens gibt der Volkskundler von Milos Zafiris Vaos. Sein Anliegen ist es nicht, bloß Vitrinen zu füllen. Er will „den bürgerlichen Haushalt des 19. Jahrhunderts“ wiedererwecken, das heißt, Raum für Raum die Art und Weise nachbilden, wie eine Familie aus Milos vor mehr als hundert Jahren lebte, arbeitete und feierte. Er selbst geht mit gutem Beispiel voran, indem er als Erster spendet, und ruft seine Landsleute auf, es ihm gleichzutun. So finden Truhen, Möbel, Trachten und Werkzeuge, die sich in Dachböden und Schränken verbargen, ein neues Zuhause, das nun allen offensteht.

In einem bürgerlichen Haushalt der Vergangenheit

Beim Gang zwischen den Exponaten fühlt man sich, als sei man unangemeldet in ein Haus getreten, das jemand gerade erst verlassen hat. Traditionelle Trachten mit reicher Stickerei, geschnitzte Möbel, Porzellan, Silberwaren, Fotografien mit strengen, stolzen Gesichtern. Hinter jedem Gegenstand steckt eine Familiengeschichte, eine Aussteuer, eine Taufe, eine Reise, die nie stattfand, oder eine, die stattfand und alles veränderte.

Man spürt den Duft des alten Holzes, das Licht, das schräg durch die kleinen Fenster fällt, die Stille, die nur Räume besitzen, die jene achten, die vor einem selbst dort weilten. Es ist kein Museum, das man aus der Distanz betrachtet; es ist ein Museum, das einen einlädt, sich selbst auf jenem Stuhl sitzend vorzustellen, sich an jener Kaminecke zu wärmen.

Die Insel, die der Vulkan formte

Das „Historische“ im Namen des Museums ist kein Zufall. Milos besteht nicht nur aus Haushalten und Trachten; sie besteht auch aus Stein, Schwefel, Obsidian, aus dem Untergrund selbst, der die Insel seit der Vorgeschichte bedeutsam machte. Hier, an den Spuren der antiken Siedlung Phylakopi, gewann der Mensch schon vor Jahrtausenden Obsidian und schuf so eines der ersten Handelsnetze der Ägäis. Die Sammlungen und Hinweise des Museums zu diesem geologischen und historischen Erbe helfen zu verstehen, warum Milos stets mehr war als nur eine weitere Insel der Kykladen.

Man bedenke, dass dieselbe Insel, die einem heute die vulkanischen Farben von Sarakiniko schenkt, vor Jahrhunderten das Material für Werkzeuge, für Handel, für das Überleben lieferte. Erde und Geschichte sind hier ein und dasselbe.

Erinnerungen, die nicht verblassen

In den Museumssälen begegnet man auch jüngeren Kapiteln: nautischen Dokumenten, Gegenständen des Alltagslebens, Fotomaterial, das dokumentiert, wie sich die Insel im Laufe des 20. Jahrhunderts wandelte. Jede Vitrine ist ein Teil eines Puzzles, das, einmal vollständig betrachtet, ein weitaus vielschichtigeres Milos zeigt, als man es sich vorstellt, wenn man nur wegen ihrer Strände kommt.

Ein Haus geht nicht verloren, solange sich jemand erinnert, wer darin lebte.Überlieferung aus Milos

Eine Reise in die Erinnerung, bevor die eigene weitergeht

Beim Verlassen des Museums trifft einen das Licht von Plaka stärker, fast wie eine Mahnung. Die Insel, die man in den nächsten Stunden erkunden wird, mit ihren kalkweißen Gassen, Höhlen und ihren 75 Stränden, ist nicht bloß eine Kulisse. Sie ist der Ort, an dem Generationen von Menschen lebten, arbeiteten, liebten und sich schließlich entschieden, nichts in Vergessenheit geraten zu lassen. Mit diesem Wissen im Gepäck gewinnt jedes weitere Bild von Milos eine zusätzliche Tiefe.

Nützliche Informationen

  • Das Museum befindet sich in Plaka (Chora) auf Milos, in einem traditionellen Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert.
  • Es beherbergt volkskundliche und historische Sammlungen: traditionelle Trachten, Möbel, Gerätschaften, Foto- und Archivmaterial.
  • Es wurde 1967 auf Initiative der Ένωσις Μηλίων εν Αθήναις und unter der volkskundlichen Leitung von Zafiris Vaos gegründet.
  • Verbinden Sie den Besuch mit einem Spaziergang durch die malerischen Gassen von Plaka und dem Blick auf die Burg von Milos.
  • Es wird empfohlen, die Öffnungszeiten vor dem Besuch zu bestätigen, da diese saisonal variieren können.
Artikel Kategorien: Kykladen, Milos, Must-Do Erlebnisse auf Milos

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