Es gibt Orte, die man nicht einfach erreicht, sondern sich erst verdienen muss. Auf Iraklia, der westlichsten und ursprünglichsten Insel der Kleinen Kykladen, tragen zwei solche Ziele die Namen Karvounolakos und Alimia. Keine Straße führt dorthin. Kein Schild weist den Weg. Nur das Meer, am Morgen ruhig, lässt einen hindurch.
Man steigt im kleinen Hafen von Agios Georgios in ein Boot, und die Insel beginnt sich aus einem Blickwinkel zu offenbaren, den nur wenige je gesehen haben: steile Hänge, Höhlen, die den Fels durchbohren, Wasser, das alle paar Meter die Farbe wechselt. Das ist die andere Seite von Iraklia, jene, die auf keinem Foto von der Straße aus Platz findet.
Die Straße, die es nicht gibt
Iraklia verfügt über wenige Kilometer Asphalt, und genau das gehört zu ihrem Charakter. Karvounolakos und Alimia liegen an der westlichen, wilderen Seite der Insel, dort, wo die Natur mit nichts einen Kompromiss eingegangen ist. Das ist kein fehlendes Straßennetz aus Versehen, sondern die Insel selbst, so gestaltet mit Schluchten, Felsen und steilen Durchgängen, die diese Küsten von Rädern und Motoren fernhalten.
So bleibt nur ein einziger Zugangsweg: das Meer. Ein Kaiki, das die Insel umrundet, oder ein Boot, das man für den Tag mietet, ist der einzige Weg dorthin, wo kaum jemand sonst hingelangt.
Karvounolakos: das schwarze Gold der Küste
Der Name erinnert an Kohle, und das ist kein Zufall. Die Kiesel hier haben einen dunklen, fast metallischen Glanz, der das Licht anders reflektiert als jeder andere Strand der Kykladen. Das Wasser hingegen ist so klar, dass man den Meeresgrund wie eine Karte unter der Oberfläche erkennt.
Es gibt keinen Sonnenschirm, keine Kantine. Es gibt nur das Geräusch der Welle, die auf den Kieseln bricht, den Wind, der Salz und Thymian mit sich trägt, und das Gefühl, sich an einem Ort zu befinden, an dem die Zeit aufgehört hat zu zählen.
Alimia: die Einsamkeit, die einen umarmt
Etwas weiter öffnet sich Alimia wie eine geheime Bucht im Fels. Der Name stammt vermutlich von der Tamariske, dem Strauch, der die Salzluft erträgt und dort wächst, wo sich sonst nichts hintraut. Es ist ein Strand, der nichts von einem verlangt; er lässt einen einfach dort sein, allein mit dem Meer und seinen Klängen.
Das Wasser bei Alimia hat jenen tiefen, fast türkisfarbenen Ton, den man nur an Küsten findet, die von nichts Menschlichem berührt wurden. Man schwimmt und spürt, dass man etwas entdeckt, das auf den meisten Tourismuskarten noch keinen Namen trägt.
Die Bootsfahrt als Ritual
Die Fahrt mit dem Boot ist nicht bloß Transport, sie ist Teil des Erlebnisses. Während das Boot zwischen Landzungen und kleinen Buchten dahingleitet, sieht man, wie Iraklia alle paar Minuten ihr Gesicht wechselt: von den ruhigen Gewässern des Hafens zu den offeneren, wilderen Passagen der Westküste.
Viele Besucher verbinden Karvounolakos und Alimia mit einem Halt an der Höhle des Agios Ioannis, der größten Tropfsteinhöhle der Kykladen, und schließen so einen Kreis zwischen dem unterirdischen Geheimnis der Insel und der offenen, sonnendurchfluteten Schönheit der Küste.
Auf Iraklia gehst du nicht dorthin, wo du willst; du gehst dorthin, wohin dich das Meer lässt.Alter Fischer der Insel
Warum es sich lohnt
In einer Welt, in der fast jeder Strand über Straße, Parkplatz und Liegestuhl verfügt, bleiben Karvounolakos und Alimia hartnäckig unzugänglich. Genau diese Schwierigkeit macht sie unvergesslich. Es sind keine Strände, die man besucht, sondern Strände, die man sich Schritt für Schritt, Ruderschlag für Ruderschlag erobert, bis sie einen einlassen.
Und wenn man schließlich in dieses Wasser eintaucht, versteht man, warum noch niemand Iraklia verlassen hat, ohne hier vorbeigekommen zu sein. Es ist der Teil der Insel, an den man sich am meisten erinnert, gerade weil er nicht leicht zu erreichen war.
Nützliche Informationen
- Karvounolakos und Alimia sind ausschließlich per Boot erreichbar, da es keine Straßenanbindung gibt.
- In den Sommermonaten verkehren täglich Bootsausflüge rund um die Insel, die Stopps an diesen Stränden einschließen.
- Es empfiehlt sich, Wasser, Sonnencreme und einen Hut mitzunehmen, da es an den Stränden weder Einrichtungen noch Schatten gibt.
- Verbinden Sie die Fahrt, wenn es der Zeitplan des Bootes erlaubt, mit einem Besuch der Höhle des Agios Ioannis.
- Tragen Sie geeignete Wasserschuhe, da man an manchen Stellen über Kiesel oder Felsen an Land gehen muss.